Interne Linkentropie: Wenn zu viele Links SEO-Signale verwässern

Interne Linkentropie: Wenn zu viele Links SEO-Signale verwässern auf e-learn-biotec.de

Interne Verlinkung gilt als eine der unspektakulärsten Disziplinen der Suchmaschinenoptimierung. Links werden gesetzt, damit Besucher weitere Inhalte finden, Suchmaschinen Seiten entdecken und wichtige Dokumente innerhalb einer Website stärker gewichtet werden. In der Praxis entsteht mit wachsendem Content jedoch ein Problem, über das erstaunlich selten gesprochen wird: Eine Website kann so intensiv intern verlinkt sein, dass ihre Verlinkung zwar technisch hervorragend aussieht, thematisch aber immer weniger aussagt.

Genau an diesem Punkt lässt sich ein nützliches Gedankenmodell einführen: die interne Linkentropie. Der Begriff bezeichnet keinen offiziellen Rankingfaktor und keine von Google veröffentlichte Kennzahl. Er beschreibt vielmehr den Grad der thematischen Unordnung innerhalb eines internen Linkgraphen. Je wahlloser eine Seite auf unterschiedliche Themenbereiche verweist, desto höher wäre nach diesem Modell ihre Linkentropie. Je konzentrierter ihre Links einen nachvollziehbaren fachlichen Zusammenhang abbilden, desto niedriger ist sie.

Mehr interne Links sind nicht automatisch besser

Bei kleinen Websites entsteht interne Verlinkung meist natürlich. Ein Artikel verweist auf zwei oder drei Texte, die das Thema sinnvoll ergänzen. Mit zunehmender Größe verändert sich das Verhalten. SEO-Plugins schlagen passende Beiträge vor, automatische Module zeigen verwandte Artikel an, Kategorien werden verlinkt, Breadcrumbs kommen hinzu und Redakteure bauen zusätzliche Links ein, weil interne Verlinkung grundsätzlich als positiv gilt.

Das Ergebnis kann eine Seite mit zwanzig, dreißig oder noch mehr internen Verweisen sein. Technisch ist daran zunächst nichts falsch. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Anzahl, sondern die Frage, welche Beziehungen diese Links ausdrücken. Ein Beitrag über Crawling-Budgets, der gleichzeitig auf Local SEO, Affiliate-Marketing, Social Media, Keyword-Recherche, Webdesign und Domainhandel verweist, besitzt zwar viele Verbindungen. Für die thematische Architektur der Website sind diese Verbindungen jedoch wesentlich weniger eindeutig als fünf Links auf unmittelbar angrenzende Themen wie Logfile-Analyse, Canonicalisierung, Indexierungssteuerung und HTTP-Statuscodes.

Die interne Verlinkung einer Website ist deshalb nicht nur ein Transportnetz für Besucher und Crawler. Sie ist gleichzeitig ein Modell darüber, welche Inhalte der Betreiber selbst als zusammengehörig betrachtet.

Linkentropie beschreibt thematische Zerstreuung

Der Begriff Entropie stammt ursprünglich aus anderen wissenschaftlichen Zusammenhängen und beschreibt vereinfacht den Grad von Unordnung beziehungsweise Unbestimmtheit eines Systems. Für interne Links lässt sich daraus ein interessantes Analyseprinzip ableiten. Nicht jeder einzelne Link wird bewertet, sondern die Verteilung der Links auf verschiedene Themenräume.

Angenommen, eine Seite enthält zwölf redaktionelle interne Links. Zehn davon führen zu Artikeln über technische Suchmaschinenoptimierung, zwei zu allgemeineren SEO-Grundlagen. Die thematische Richtung ist ausgesprochen eindeutig. Führen dieselben zwölf Links dagegen zu zwölf völlig unterschiedlichen Themenbereichen der Website, ist die Verteilung maximal breit. Im hier vorgeschlagenen Modell wäre die Linkentropie wesentlich höher.

Das bedeutet keineswegs, dass themenübergreifende Links schlecht wären. Manchmal sind gerade sie besonders nützlich. Problematisch wird die Sache erst, wenn solche Querverbindungen so häufig werden, dass die ursprüngliche thematische Struktur kaum noch erkennbar ist.

Aus einer Website wird mit der Zeit ein Graph

Menschen betrachten Websites meistens als Seiten, Kategorien und Menüs. Rechnerisch lässt sich dieselbe Website jedoch als Graph darstellen. Jede URL bildet einen Knoten, jeder interne Link eine Verbindung zwischen zwei Knoten. Bereits bei wenigen hundert Artikeln entsteht daraus ein erstaunlich komplexes Netzwerk.

Interessant wird dieses Netzwerk durch seine Muster. Manche URLs besitzen sehr viele eingehende Links und entwickeln sich zu Knotenpunkten. Andere bilden kleine, eng miteinander verbundene Gruppen. Wieder andere stehen weitgehend isoliert am Rand. Genau solche Cluster sind aus inhaltlicher Sicht interessant, weil sie häufig den tatsächlichen Themenbereichen einer Website entsprechen.

Eine sauber aufgebaute Website über SEO könnte beispielsweise einen Cluster rund um technische Optimierung besitzen, einen weiteren zu Content, einen zu Linkaufbau und einen zu lokaler Suche. Zwischen diesen Bereichen darf es selbstverständlich Verbindungen geben. Innerhalb der Cluster sollte die Verlinkung jedoch wesentlich dichter sein als zwischen völlig unterschiedlichen Bereichen.

Fehlt dieses Muster, entsteht eine Art Linknebel: Alles verweist auf alles.

Warum automatische Related-Posts-Systeme problematisch werden können

Ein besonders interessanter Entstehungsort hoher Linkentropie sind automatisch erzeugte Empfehlungen. Viele Content-Management-Systeme und Plugins versuchen, am Ende eines Artikels ähnliche Inhalte anzuzeigen. Die Ähnlichkeit wird dabei häufig anhand gemeinsamer Kategorien, Tags, Wörter oder anderer einfacher Merkmale berechnet.

Bei sauber gepflegten Taxonomien funktioniert das gut. In über Jahre gewachsenen Websites können solche Systeme jedoch eigenartige Beziehungen erzeugen. Ein Artikel erhält beispielsweise irgendwann den Tag „Google“. Damit gilt plötzlich nahezu jeder andere Beitrag über Google als verwandt, obwohl es fachlich um vollkommen unterschiedliche Dinge geht.

Noch schwieriger wird es mit generischen Kategorien wie „Allgemein“, „Internet“, „Tipps“ oder „Marketing“. Automatisch ausgewählte Beiträge aus solchen Bereichen können formal korrekt zugeordnet sein und trotzdem keinerlei thematische Nähe besitzen.

Das Problem liegt nicht im einzelnen falschen Link. Erst hunderte oder tausende solcher Links verändern die Struktur des gesamten Graphen. Themencluster, die redaktionell eigentlich klar voneinander getrennt sind, werden durch automatisierte Querverbindungen zunehmend miteinander vermischt.

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Eine hohe Dichte an internen Links ist störend

Ein einfaches Modell macht Linkentropie messbar

Wer das Prinzip systematisch untersuchen möchte, kann interne Links zunächst Themenclustern zuordnen. Eine Seite mit zwanzig ausgehenden redaktionellen Links könnte beispielsweise zwölf Links in Cluster A, fünf in Cluster B, zwei in Cluster C und einen in Cluster D besitzen.

Aus dieser Verteilung lässt sich eine Entropie berechnen. Ein geeignetes mathematisches Modell liefert die Shannon-Entropie. Dabei wird für jeden Themencluster der Anteil seiner Links betrachtet und aus den Anteilen eine Gesamtkennzahl gebildet. Sind sämtliche Links nahezu gleichmäßig über viele Cluster verteilt, steigt die Entropie. Konzentrieren sie sich auf einen oder zwei Bereiche, sinkt sie.

Für SEO-Zwecke wäre die absolute Zahl allerdings weniger interessant als ein normalisierter Wert zwischen 0 und 1. Null würde eine extrem konzentrierte Verlinkung beschreiben, eins eine möglichst gleichmäßige Verteilung über alle vorhandenen Themenbereiche. Eine solche Kennzahl wäre kein Rankingwert, sondern ein Diagnoseinstrument für die eigene Informationsarchitektur.

Gerade bei großen Websites könnte das wesentlich aussagekräftiger sein als die übliche Frage, wie viele interne Links eine URL besitzt.

Nicht jede hohe Linkentropie ist schlecht

Ein wichtiger Punkt darf bei solchen Modellen nicht verloren gehen: Die optimale Linkstruktur hängt von der Funktion einer Seite ab. Eine zentrale Übersichtsseite soll unterschiedliche Bereiche erschließen. Dort ist eine hohe thematische Streuung nicht nur akzeptabel, sondern beabsichtigt.

Bei einer Startseite ist sie praktisch unvermeidbar. Ähnliches gilt für Themenverzeichnisse, Glossarübersichten oder allgemeine Einstiegspunkte. Solche Seiten übernehmen die Rolle von Verteilerknoten.

Anders sieht es bei tiefen Fachartikeln aus. Ein detaillierter Text über die Analyse von Server-Logs besitzt eine wesentlich spezifischere Aufgabe. Verweist er überwiegend auf eng verwandte technische Inhalte, verstärkt seine Linkstruktur diese Einordnung. Enthält er dagegen Links in fast sämtliche Bereiche der Website, verliert die Struktur an Eindeutigkeit.

Interessant ist deshalb weniger die Frage, ob eine Seite eine hohe Entropie besitzt, sondern ob ihre Entropie zu ihrer Aufgabe innerhalb der Website passt.

Linkposition verändert die Aussage zusätzlich

Auch ein mathematisches Modell bleibt eine Vereinfachung. Ein Link aus einem automatisch erzeugten Footer ist schließlich nicht identisch mit einem Link, der mitten in einer fachlichen Erklärung gesetzt wurde. Für eine genauere Analyse müsste deshalb zusätzlich die Position berücksichtigt werden.

Ein kontextueller Link innerhalb eines Absatzes besitzt eine erkennbare semantische Umgebung. Der Leser versteht unmittelbar, weshalb das verlinkte Dokument relevant ist. Navigationselemente erfüllen dagegen eine andere Aufgabe. Sie bilden die Grundstruktur der Website ab und erscheinen häufig auf tausenden URLs identisch.

Wer Linkentropie untersuchen möchte, sollte deshalb zunächst nur redaktionelle Links im eigentlichen Content berücksichtigen. Globale Navigation, Footer, Datenschutzhinweise oder andere sogenannte Sitewide-Links würden das Ergebnis ansonsten massiv verzerren.

Damit wird aus einer simplen Linkzählung eine Analyse redaktioneller Entscheidungen.

Alte Websites sind besonders anfällig

Hohe Linkentropie dürfte vor allem bei Websites entstehen, die über viele Jahre kontinuierlich erweitert wurden. Der Grund ist weniger schlechte Planung als organisches Wachstum. Kategorien verändern ihre Bedeutung, neue Themen kommen hinzu, alte Artikel werden aktualisiert und unterschiedliche Autoren setzen Links nach unterschiedlichen Kriterien.

Ein Text aus dem Jahr 2017 wurde vielleicht ursprünglich in einer klar abgegrenzten Umgebung veröffentlicht. Einige Jahre später erhält er Links auf neuere Beiträge. Ein Plugin ergänzt weitere Empfehlungen. Ein Relaunch fügt zusätzliche Navigationselemente hinzu. Irgendwann hat dieselbe URL Beziehungen zu Themen, die beim ursprünglichen Schreiben überhaupt nicht existierten.

Die einzelne Änderung erscheint jeweils sinnvoll. Erst aus der Vogelperspektive wird sichtbar, dass sich die Gesamtstruktur verändert hat.

Genau deshalb sind Linkgraphen besonders interessante Werkzeuge für ältere Domains. Sie zeigen nicht, wie die Informationsarchitektur geplant wurde, sondern wie sie tatsächlich geworden ist.

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Sieht man den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, sind die einzelnen Links entwertet

Der stärkste Link ist manchmal der nicht gesetzte Link

Interne Verlinkung wird häufig mit einer Art Vollständigkeitsdenken betrieben. Findet sich im Text ein Begriff, zu dem bereits ein anderer Artikel existiert, scheint ein Link naheliegend. Doch ein Lexikonprinzip ist nicht für jede Website die beste Lösung.

Ein Link sollte im Idealfall entweder eine Aussage belegen, eine notwendige Erklärung bereitstellen oder einen sinnvollen nächsten Schritt ermöglichen. Erfüllt er keine dieser Aufgaben, besteht wenig Grund, ihn allein wegen eines gemeinsamen Begriffs einzubauen.

Gerade automatisierte SEO-Prozesse können deshalb von einem ungewöhnlichen Perspektivwechsel profitieren. Statt zu fragen „Wo können wir noch einen internen Link setzen?“ könnte die bessere Frage lauten: „Welche Verbindung hilft dem Leser tatsächlich dabei, diesen Themenraum weiter zu verstehen?“

Dadurch sinkt die Linkmenge möglicherweise. Gleichzeitig steigt die Präzision der verbleibenden Verbindungen.

Themencluster sollten innen dichter sein als außen

Aus dem Modell der Linkentropie lässt sich eine einfache Regel ableiten. Inhalte desselben Themenclusters sollten untereinander deutlich stärker verbunden sein als mit entfernten Bereichen der Website.

Das bedeutet nicht, dass jeder Artikel auf jeden anderen Artikel seines Clusters verweisen muss. Ein solcher Ansatz würde wiederum unnötig viele Links erzeugen. Vielmehr sollte ein erkennbares Netzwerk entstehen, in dem zentrale Seiten viele relevante Verbindungen erhalten und spezialisierte Unterseiten gezielt miteinander verbunden werden.

Man kann sich einen Themencluster wie eine Stadt vorstellen. Innerhalb der Stadt existiert ein dichtes Straßennetz. Zwischen verschiedenen Städten gibt es ebenfalls Straßen, aber deutlich weniger. Würde jede Seitenstraße direkt mit jeder anderen Stadt verbunden, wäre das Verkehrsnetz zwar extrem dicht, aber seine Hierarchie kaum noch erkennbar.

Eine gute interne Informationsarchitektur funktioniert ähnlich.

Linkentropie kann Content-Probleme sichtbar machen

Besonders spannend wird die Analyse dort, wo ungewöhnlich hohe Entropie nicht durch schlechte Verlinkung, sondern durch unklaren Content entsteht. Ein Artikel, der sinnvoll auf sechs völlig verschiedene Themencluster verweist, ist möglicherweise selbst thematisch zu breit angelegt.

Damit wird der Linkgraph zu einem Diagnoseinstrument für Inhalte. Statt lediglich Links zu optimieren, kann man Seiten entdecken, deren Suchintention nicht eindeutig ist. Ein Text über „alles, was Webmaster wissen müssen“ wird zwangsläufig in zahlreiche Richtungen verweisen. Vielleicht wäre es sinnvoller, daraus mehrere präzisere Dokumente zu entwickeln.

Auch das Gegenteil ist interessant. Eine zentrale Seite mit überraschend niedriger Linkentropie erfüllt ihre Verteilerfunktion möglicherweise nicht ausreichend. Sie könnte wichtige Teilbereiche des Themenraums übersehen.

Die Kennzahl liefert also keine automatische Handlungsempfehlung. Sie markiert Seiten, die eine genauere Betrachtung verdienen.

Die spannendste SEO-Analyse beginnt jenseits einzelner URLs

Viele SEO-Werkzeuge behandeln Websites noch immer überwiegend als Sammlung einzelner Dokumente. Für jede URL werden Titel, Überschriften, Wortzahl, Statuscode, interne Links und zahlreiche weitere Werte ausgegeben. Das ist nützlich, blendet jedoch eine wichtige Ebene aus: die Beziehungen zwischen den Dokumenten.

Gerade bei Websites mit mehreren hundert oder tausend Inhalten entscheidet die Qualität dieser Beziehungen darüber, ob eine erkennbare Wissensarchitektur entsteht oder lediglich ein großes Archiv.

Linkentropie ist ein Versuch, genau diesen Unterschied greifbarer zu machen. Sie ersetzt keine klassische SEO-Analyse und sollte keinesfalls als neuer geheimnisvoller Rankingfaktor verstanden werden. Ihr Nutzen liegt in einer anderen Frage: Wie eindeutig erzählt der interne Linkgraph einer Website eigentlich, worüber ihre einzelnen Seiten sprechen?

Wer diese Frage beantworten kann, betrachtet interne Verlinkung nicht mehr als Pflichtübung zwischen zwei Textabsätzen. Er beginnt, die Website als zusammenhängendes Informationssystem zu verstehen.

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